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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Un film, comment l'entendre ? Filmisches Hören und kulturelles Gedächtnis"
RessourcentypCall for Papers
TitelUn film, comment l'entendre ? Filmisches Hören und kulturelles Gedächtnis
BeschreibungCall for papers

Un film, comment l'entendre ? Filmisches Hören und kulturelles Gedächtnis

Universität Poitiers, Frankreich
18/19. November 2010


Forschungsgruppen:
MIMMOC – EA 3812
FoReLL – EA 3816, Team B1 (Theorien der Repräsentation) und B3 (vergleichende Ästhetik)

Organisationskomitee:
Dieter MERLIN (Universität Poitiers / DAAD)
Véronique CAMPAN (Universität Poitiers)
Andrew MCKEOWN (Universität Poitiers)


In der Filmtheorie wurde viel über den Status und die Funktion des Sounds (im weiten Sinne) reflektiert: die Verortung und Klassifikation der einzelnen Komponenten der Tonspur, ihr Verhältnis zum Bild, ihre narratologische Dimension, ihre dramaturgische Wirkung oder ihre Gestaltung unter musikalischen Gesichtspunkten. Seit einigen Jahren wurden darüber hinaus die epistemologischen Bedingungen filmischen Hörens erforscht, in Abhängigkeit von bestimmten Modellen der Wahrnehmung und des Gedächtnisses.

Der „acoustic turn“, der sich seit gut dreißig Jahren in verschiedenen Disziplinen beobachten lässt (vgl. die Forschungsarbeiten in der kognitiven Psychologie, Studien von Jean-François Augoyard und seinem Team am Centre de recherche sur l’espace sonore et l’environnement urbain (CRESSON) oder die Arbeit zum „Sound Design“ von Barbara Flückiger), spricht für eine wachsende Zurkenntnisnahme des Einflusses akustischer Elemente auf die Zuschauerrezeption. Die Vielzahl der Möglichkeiten, diesen Einfluss im Einzelnen zu bestimmen, ist allerdings noch nicht ausgeschöpft.

Die geplante Tagung bietet eine Gelegenheit, die Erforschung der filmischen Tonspur unter einer anthropologischen Perspektive voranzutreiben. Jeder kennt die Macht des Akustischen, das die kinematographische Darstellung dessen koloriert, was Michel Chion eine valeur ajoutée nennt. Sowohl durch die Bilder, als auch durch den Ton informiert uns ein Film über einen Moment der Geschichte, über eine geographische Realität, über soziale und ökonomische Praktiken sowie über die kulturellen Repräsentationen, die durch sie transportiert werden. Umgekehrt stimuliert das filmische Hören ein akustisches Gedächtnis, das sich auf der Grundlage der Töne herausbildet, die durch das Kino ein zweites Mal erfunden werden. Unsere Auffassung von Orten, Figuren, vergangenen und gegenwärtigen Ereignissen ist durch die Filme geprägt, die wir „gehört“ haben.

Um die Beziehungen zwischen Tonspur und kulturellem Gedächtnis zu untersuchen, stützen wir uns auf die Vorstellung, dass der filmische Ton nicht für sich selbst existiert, sondern durch einen oder mehrere, u.U. unterschiedliche Hörvorgänge konstituiert wird. Das akustische Gewebe eines Films ist das Produkt der spezifischen Art und Weise, mit der ein/e Filmemacher/in, ein/e Komponist/in und/oder ein/e Sounddesigner/in die Welt wahrnimmt, die ihn bzw. sie umgibt. Dieses Gewebe wird durch den Hörvorgang jedes Zuschauers bzw. jeder Zuschauerin transformiert, in Abhängigkeit davon, inwieweit es ihm bzw. ihr gelingt, dessen einzelne Elemente zu isolieren, zu analysieren und zu identifizieren. Die Tonspur eines Films etabliert keine realia, sondern stilisierte Repräsentationen, welche zum Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzung werden können.

Die Herausforderung dieser bewusst transversal angelegten Tagung besteht darin, dramaturgisch-ästhetische Reflexion und anthropologische Forschung miteinander zu verknüpfen, um das filmische Hören dahingehend neu zu reflektieren, dass die Analyse der Tonspur vor dem Hintergrund der in ihr auffindbaren sozialen, kulturellen und ästhetischen Kontexte vorgenommen wird. Wir setzen uns zum Ziel, an einer genaueren Bestimmung der Rolle zu arbeiten, die Geräusche, Sprache und Musik zur Konstruktion fiktionaler kinematographischer Gegenstände beitragen. Wir werden uns mit den Gewohnheiten auseinandersetzen, die die Konzeption und Rezeption letzterer entscheidend beeinflussen. Wir werden uns die Frage stellen, welche Aktivitäten, Verwendungen, Vorstellungen sich in diese akustischen Fiktionen eingeschrieben haben, und inwiefern diese ihrerseits eine Wirkungsgeschichte aufweisen.

Filmwissenschaftler/innen, Musikwissenschaftler/innen, Anthropolog/innen, Architekt/innen, Raumplaner/innen, Kulturwissenschaftler/innen, Kunstschaffende etc. sind dazu eingeladen, ihre eigenen Forschungsansätze und Arbeitsmethoden mit Fragen wie den folgenden zu konfrontieren:

• Was sind in einem Film die akustischen Formen der Etablierung eines Ortes, eines Moments, eines Ereignisses?
• Durch welche Verfahren werden diese Formen modelliert (akustische Verzerrungen, Musikalisierung, räumliche und temporale Perspektivierungen, etc.)?
• Auf welchen technologischen Voraussetzungen und welchen ideologischen Konzeptionen basieren diese ästhetischen Entscheidungen?
• Welchen Platz nimmt das Hören eines Films in der Konstruktion kultureller Repräsentationen sowie derjenigen ihres Gedächtnisses ein?
• Welche Werkzeuge und Methoden kann die Filmtheorie u.a. Musikwissenschaftler/innen, Anthropolog/innen, Architekt/innen, Raumplaner/innen und Kulturwissenschaftler/innen zur Verfügung stellen, um die Bestandteile einer Tonspur bzw. die wahrnehmbaren Konstellationen, die das akustische Profil eines Ortes, eines Moments, einer Figur oder eines Ereignisses definieren, zu beschreiben und zu analysieren?
• Bietet das Kino als Ort künstlerischer Aktivität, als ästhetische Erfahrung und als technisches Dispositiv sowohl für Akustik-Designer/innen, als auch für Forscher/innen der Geistes- und Sozialwissenschaften, welche sich für akustische Dimensionen des Alltags und der künstlerischen Kreativität interessieren, ein privilegiertes Experimentierfeld?

Die geplante Tagung führt die Auseinandersetzung mit kulturellen Repräsentationen und dem Phänomen des akustischen Gedächtnisses fort, die seit drei Jahren eines der zentralen Anliegen der Forschungsgruppe MIMMOC darstellt. Die Tagung wird in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler/innen organisiert, die den Teams B1 und B3 der Forschungsgruppe FoReLL angehören und die auf die Bereiche Ästhetik und Repräsentationstheorie spezialisiert sind.

Die Tagung findet am 18. und 19. November 2010 statt.

Die Teilnahme von ausländischen Wissenschaftler/innen ist ausdrücklich erwünscht. Die Vorträge können in französischer oder englischer Sprache präsentiert werden; sie sind auf eine Länge von 30 Minuten beschränkt und sollen die Präsentation mindestens eines audiovisuellen Beispiels enthalten.
Abstracts mit Vorschlägen zu entsprechenden Vorträgen sind bis spätestens zum 1. Juni 2010 per E-Mail an die unten genannten Mitglieder/innen des Organisationskomitees zu schicken.

Vorträge in deutscher Sprache sind unter der Bedingung möglich, dass dem Organisationsteam zusätzlich zu dem genannten Abstract (Deadline: 01.06.10) bis spätestens zum 1. September 2010 eine zweiseitige Zusammenfassung des Vortrags zugeht, welche an der Universität Poitiers ins Französische übersetzt und den Teilnehmer/innen der Tagung ausgehändigt wird.

Kontakt:
dieter.merlin@univ-poitiers.fr
veronique.campan@univ-poitiers.fr
andrew.mckeown@univ-poitiers.fr
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://mimmoc.labo.univ-poitiers.fr/spip.php?article72
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortUniversität Poitiers
Bewerbungsschluss01.06.2010
Anmeldeschluss01.10.2010
Beginn18.11.2010
Ende19.11.2010
PersonName: Dieter Merlin [DAAD-Lektor] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: dieter.merlin@univ-poitiers.fr 
KontaktdatenName/Institution: Département d'Allemand, Université de Poitiers 
Strasse/Postfach: 95, avenue du Recteur Pineau 
Postleitzahl: 86022  
Stadt: Poitiers Cedex 
Telefon: +33-(0)549453256 
E-Mail: dieter.merlin@univ-poitiers.fr 
Internetadresse: http://mimmoc.labo.univ-poitiers.fr/spip.php?rubrique1 
LandFrankreich
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeSprache in den Medien / Medienwissenschaft (Sprache in Massenmedien, Internet und Hypertext, Medienentwicklung); Sprache und Gesellschaft (Diskursanalyse, Ethnographie, Sprachkritik, Sprachplanung, Sprachpolitik); Medien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.); Medien- u. Kommunikationstheorie
Zusätzliches SuchwortKulturelles Gedächtnis; Soundforchung, Rezeptionsforschung
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.06.00 Literaturtheorie; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien
Ediert von  H-Germanistik
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