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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "28. Paderborner Gastdozentur für Schriftstellerinnen und Schriftsteller: Lea Singer"
RessourcentypVortragsreihen
Titel28. Paderborner Gastdozentur für Schriftstellerinnen und Schriftsteller: Lea Singer
Beschreibung28. Paderborner Gastdozentur für Schriftstellerinnen und Schriftsteller: Lea Singer: Präzision & Sinnlichkeit
Überlegungen zur Gegenwärtigkeit des Flüchtigen

Themen und Termine (jew. montags, 16-15-17.45 Uhr):

Hörsaal G, Warburger Str. 100, Campus Univ. Paderborn

7.12.2009
Wo stecken denn Sie? Oder: Die sinnliche Anwesenheit des Erzählers in seinen Gestalten

14.12.2009
Warum wird bei Ihnen denn so oft gegessen? Oder: Die Aussagekraft von Konsum und Kon-sumieren

11.01.2010
Was hören Sie, wenn Sie schreiben? Oder: Die Erscheinungsformen von Klang, Rhythmus und Musik in der Sprache

18.01.2010
Warum reden Sie nie vom F***? Oder: Die vernachlässigte Dimension des Taktilen in Litera-tur und Leben

25.01.2010
Was soll an Faust modern sein? Oder: Die sinnliche Quelle der Mythen und allen Erzählens

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Lea Singer (Eva Gesine Baur) ist eine der vielseitigsten Erzählerinnen, Sachbuchautorinnen und Publizistinnen der Gegenwart. Themen, Sujets, ästhetische Zugangsweisen wechseln, das Sinnliche, genauer Sinnenhafte: das Sehen, Fühlen, Riechen, Schmecken – auch das Hören, die Musik – aber steht leitend im Zentrum aller ihrer Werke: die Berührung der Sinne und das Berührtwerden durch die Sinne – Sinnenwahrnehmung im eigentlichen Verständnis. Von hier aus nimmt das Erzählen seinen Ausgangspunkt – und von hier aus zieht sich eine durchgehende Linie durch das belletristische Werk der Autorin: Von dem historischen Roman „Die Zunge“ (Stuttgart 2000), Lea Singers erstem großen Erfolg, bis hin zu ihrem bislang letzten Roman „Konzert für die linke Hand“ (Hamburg 2008). Steht im ersten Fall der französische Schriftsteller und Begründer der Gastronomiekritik Alexandre Grimod de La Reynière im Mittelpunkt, der 1758 mit verkrüppelten Armen zur Welt kommt, aber im Laufe seines Lebens nicht nur lernt, scharfzüngig seinen überragenden Intellekt als Waffe einzusetzen, sondern vor allem auch sich seiner Zunge im ganz wörtlichen Sinn zu bedienen: als erotisches Instrument und als Werkzeug der Gaumenfreude, so erzählt Lea Singer im anderen Fall in der Form eines breit angelegten Epochen- und zugleich Familienromans die Geschichte Paul Wittgensteins, einer der vergessenen Schlüsselfiguren der Musik des 20. Jahrhunderts. Der heute im Schatten seines berühmten Bruders, des Philosophen Ludwig Wittgenstein, stehende Paul verliert im I. Weltkrieg seinen Arm, macht ungeachtet der väterlichen Maxime, Kunst als Profession sei Prostitution, als Konzertpianist eine Weltkarriere. Ein Großteil der Konzertliteratur für die linke Hand wurde von ihm in Auftrag gegeben. Unter anderem haben Strauss, Ravel und Prokofjew für ihn komponiert.
Immer wieder gilt die Aufmerksamkeit der Erzählerin Lea Singer den Künstlern, die unsere Sinne berühren, im eigenen Leben selbst aber nur selten oder auf Zeit Glück erfahren – sei es der Maler Richard Gerstl, der im Wien der Jahrhundertwende tragisch an seiner Liebe zu Mathilde Schönberg, der Frau des Komponisten Arnold Schönberg, zugrunde geht („Wahnsinns Liebe“; München 2003), sei es Constanze Mozart, deren Liebe zu dem ‚Genie’ Mozart nur wenige Jahre gewährt waren („Das nackte Leben“; München 2005). Der historische Roman ist das bevorzugte Medium dieser literarischen Erkundungen. Dass Lea Singer in ihren Werken aber auch ganz gegenwärtig (im Wortsinn) sein kann, zeigt der Roman „Mandelkern“ (Hamburg 2007), eine in die Gegenwart versetzte, zugleich die Geschlechterordnung ‚verkehrende’ „Faust“-Paraphrase, in der die aktuelle Hirnforschung und die von ihr neu entfachte Frage nach dem freien Willen zum Ausgangs- und Fluchtpunkt des Erzählens wird.

Vita Lea Singer:
Lea Singer studierte Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Germanistik und Gesang. Sie wurde in München mit einer Studie zum französischen und englischen Kinderbild im 18. und 19. Jahrhundert promoviert. Unter dem Namen Eva Gesine Baur hat sie zahlreiche kulturwissenschaftliche Arbeiten und Sachbücher veröffentlicht, darunter den opulent ausgestatteten Band „Meisterwerke der erotischen Kunst“ (Köln 1995, umgestaltete Neuausgabe: Köln 2002), eine Erkundung der Festspielstadt Salzburg („Schauplatz Salzburg“, München 2003, zusammen mit dem Photographen Thomas Klinger), eine umfangreiche Biographie über Schillers Ehefrau Charlotte („’Mein Geschöpf musst du sein’. Das Leben der Charlotte Schiller“, Hamburg 2004) und ein Buch über die „Die venezianische Küche im Rhythmus der vier Jahreszeiten. Genießen mit Vivaldi“ (München 2007). Lea Singer lebt heute in München.


Werkverzeichnis (Auswahl):
Die Zunge. München: Stuttgart: Klett-Cotta 2000.
Wahnsinns Liebe. München: Deutsche Verlagsanstalt 2003.
Die österreichische Hure. München: DTV 2005.
Das nackte Leben. München: Deutsche Verlagsanstalt 2005.
Vier Farben der Treue. München: Deutsche Verlagsanstalt 2006.
Mandelkern. Hamburg: Hoffmann und Campe 2007.
Konzert für die linke Hand. Hamburg: Hoffmann und Campe 2008.

(Eva Gesine Baur) Chopin oder Die Sehnsucht. Eine Biographie. München: C.H. Beck 2009.
(Eva Gesine Baur) Amor in Venedig. Auf den Spuren der Liebenden.. München: C.H. Beck 2009.
(Eva Gesine Baur) Eine kleine Philosophie der Liebe von A bis Z. Köln: DuMont 2009.
(Eva Gesine Baur) Freuds Wien. München: Beck 2008.
Eva Gesine Baur) Mozarts Salzburg. München: Beck 2005.
(Eva Gesine Baur) Mein Geschöpf musst du sein. Hamburg: Hoffmann und Campe 2004.
(Eva Gesine Baur) Schauplatz Salzburg. Berlin: Propyläen 2003.
(Eva Gesine Baur) Dessous. Kleine Philosophie der Passionen. München: Dt. Taschenbuch-Verlag 1999.
(Eva Gesine Baur) Feste der Phantasie, phantastische Feste. Dt. Taschenbuch-Verlag 1998.
(Eva Gesine Baur) Was heißt hier pervers. Die Lust, sexuelle Phantasien auszuleben. München: Heyne 1992.

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Leitung der Reihe:
Prof. Dr. Alo Allkemper
Prof. Dr. Norbert Otto Eke
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hartmut Steinecke
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://kw.uni-paderborn.de/institute-einrichtungen/institut-fuer-germa...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortPaderborn
Beginn07.12.2009
Ende25.01.2010
PersonName: Dr. Stefan Elit 
Funktion: Institutsgeschäftsführung 
E-Mail: elit@mail.upb.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft der Univ. Paderborn 
Strasse/Postfach: Warburger Str. 100 
Postleitzahl: 33098 
Stadt: Paderborn 
Telefon: ++49(0)05251/60-2872 
E-Mail: elit@mail.upb.de 
Internetadresse: http://kw.uni-paderborn.de/institute-einrichtungen/institut-fuer-germanistik-und-vergleichende-literaturwissenschaft/germanistik/personal/elit/ 
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