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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Die Zivilisation des Interpreten"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelDie Zivilisation des Interpreten
Beschreibung"Die Zivilisation des Interpreten" (Luxemburg, Campus Limpertsberg)

Tagung an der Universität Luxemburg, 5.-7. November 2009
Campus Limpertsberg, 162a, avenue de la Faïencerie, L-1511 Luxemburg, Bâtiment des Sciences 0.01
Veranstalter: Georg Mein (Luxemburg) und Manfred Schneider (Bochum)

5.-7. November 2009:


Pierre Legendre zufolge beruht jede Kultur auf einer grundlegenden Differenz: Stets ist der normativen Ebene konkreter Gesetze und Maßnahmen eine weitere, mythologische Ebene vorgelagert, die eine spezifische Antwort auf die Frage „Pourquoi des lois?“ sinnfällig macht. Keine Gesellschaft lässt sich ohne Rituale, ohne Musik, ohne Liturgie regieren. Wo es menschliche Gesellschaft gibt, so Legendre, „wird eine Macht über das Unsagbare eingesetzt.“ Und jede Kultur muss Formen und Techniken der Inszenierung dieser großen Nostalgie entwickeln, dem Umgang mit dem Trost. Diese grundlegende Zweiteilung macht aus jeder konkreten Kultur ein Netz bzw. ein (unregelmäßiges) Gewebe aus Verweisungs-, Durchdringungs-, Ein- und Ausschließungsverhältnissen. Dies verleiht der Tätigkeit des Interpreten einen zentralen Stellenwert. Neben dem ihm zur Verfügung stehenden Wissen handhabt der Interpret dabei, explizit oder implizit, immer ein Äquivalent von Verbot oder Tabu – um zu verhindern, dass der Unterschied der beiden Ebenen ausgelöscht wird und die Kultur sich um ihre subjektivierenden Wirkungen bringt, die sie gerade diesem Unterschied und seiner kasuistischen Realisierung verdankt.

Die Tätigkeit des Interpreten scheint derzeit notwendiger denn je. Folgt man der Diagnose Legendres, so ist die okzidentale Kultur der Gegenwart mit dem Risiko des Irreparablen konfrontiert. Die unheilvolle Allianz von Technik-Wissenschaft-Wirtschaft droht die grundlegende Zweiteilung der Kultur aufzuheben und damit eben die Dimension zu zerstören, die das humanisierte Subjekt erhält: Die aufgelöste Zivilisation verabschiedet ihre Tabus. Doch allen Glücksversprechen der Globalisierung und des neoliberalistisch entfesselten Managements zum Trotz regt sich Widerstand. Der von der Propaganda gefesselte, von der Wirtschaft berechnete und von der Wissenschaft in Stücke geschnittene Mensch bleibt, wie Shakespeare es formuliert hat, "The Thing I Am" – und dieses „Ding, das ich bin“ ist nicht globalisierbar.

Die Tagung widmet sich diesem Fragenkomplex, der gleichermaßen das Zentrum von Legendres dogmatischer Anthropologie ausmacht. Prozesse der (De-)Subjektivierung, der (De-)Instituierung, sowie der De- und Remontage normativer Strukturen sollen im Horizont des Œuvres von Pierre Legendre diskutiert werden.

PROGRAMM

Donnerstag, 5. November 2009

ZEICHEN – REFERENZ

10.00–10.30 Eröffnung / Grußwort

10.30–11.20 MANFRED SCHNEIDER (Bochum)
Das flimmernde Ding. Zugänge zum Anderen

11.20–12.10 ANDRÉ MICHELS (Luxemburg)
Constructions dogmatiques en psychanalyse – Dogmatische Konstruktionen in der Psychoanalyse

13.30–14.20 GEORG MEIN (Luxemburg)
Typos – Graphe –Typographie. Von der Macht der Schriftzeichen

14.20–15.10 PETER RISTHAUS (Bochum)
Aus dem „off“: Souveränität der Stimme

15.30–16.20 JEAN-RENAUD SEBA (Liège)
Le statut de la Référence et l‘illusion nécessaire selon Pierre Legendre

16.30–18.00 PIERRE LEGENDRE (Paris)
Interpréter …

Freitag, 6. November 2009

GESETZ – INSTITUTION

10.00–10.50 CLEMENS PORNSCHLEGEL (München)
Man muss nicht alles für wahr halten, man muss es nur für notwendig halten. Zur Figur des Gesetzgebers bei Pierre Legendre

10.50–11.40 PIERRE MATTERN (Offenburg)
Die Kinder des Krieges und der Revolution

11.40–12.30 STEFAN BÖRNCHEN (Luxemburg)
Gesetz und Geschlecht im Œuvre Pierre Legendres

14.00–14.50 ULRICH HALTERN (Hannover)
Der Staat als Körper und Stimme: Berlin, 24. Juli 2008

14.50–15.40 PETER GOODRICH (New York)
Aenigmata iuris

GEWALT – MEDIEN

16.10–17.00 BARBARA VINKEN (München)
Égalité, Fraternité. Mimetische Gewalt im 19. Jahrhundert

17.00–17.50 WALTER SEITTER (Wien)
Wozu Theater? Eine politische Lektüre der aristotelischen Poetik


Samstag, 7. November 2009

09.30–10.20 HUBERT THÜRING (Basel)
Das genealogische Narrativ an der Schwelle der Moderne. Die Brüder Karamasow gelesen mit Girard, Legendre und Agamben

10.20–11.10 MICHAEL NIEHAUS (Dortmund)
Die Macht des Zeigens. Becketts Film als kinematographisches Emblem

11.10–12.00 WIM PEETERS (Leiden)
Der Kommentar in der modernen Literatur. Hermann Brochs Tod des Vergil

DISKUTANTEN:
Heiko Christians (Potsdam), Werner Hamacher (Frankfurt/M.), Jochen Hörisch (Mannheim), Oliver Kohns (Köln), Martin Roussel (Köln)



KONTAKT:
Prof. Dr. Georg Mein
Universität Luxemburg
Route de Diekirch / BP 2
7201 Walferdange
Luxemburg
www.germanistik.lu
georg.mein@uni.lu

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortLuxemburg
Beginn05.11.2009
Ende07.11.2009
PersonName: Mein, Georg [Prof. Dr.] 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: georg.mein@uni.lu 
KontaktdatenName/Institution: Universität Luxemburg, Laboratoire de linguistique et de littérature allemandes 
Strasse/Postfach: 162a, avenue de la Faïencerie 
Postleitzahl: 1511 
Stadt: Luxemburg 
E-Mail: georg.mein@uni.lu 
Internetadresse: www.germanistik.lu 
LandLuxemburg
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur- u. Kulturgeschichte; Literaturpsychologie; Literatursoziologie; Literaturtheorie: Themen; Medien- u. Kommunikationstheorie
Zusätzliches SuchwortPierre Legendre; Rechtsphilosophie
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
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URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/10526

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