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Ergebnisanzeige "Erzählen und Erinnern – Hans Werner Richter und die deutsche Nachkriegsliteratur in Ost und West"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelErzählen und Erinnern – Hans Werner Richter und die deutsche Nachkriegsliteratur in Ost und West
BeschreibungWissenschaftliche Tagung im Rahmen der Hans Werner Richter Literaturtage in Bansin/ Insel Usedom vom 12. bis 14. November 2009.

Erzählen und Erinnern – Hans Werner Richter und die deutsche Nachkriegsliteratur in Ost und West

Nachdem im November 2008 aus Anlass des 100. Geburtstags von Hans Werner Richter in Bansin eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf geförderte internationale Tagung stattgefunden hat, geht es nunmehr darum, die hier angeregten Untersuchungen zu vertiefen und weiter zu führen. Auch dieses Kolloquium, das erstmals im Rahmen der Hans Werner Richter-Tage stattfi ndet, zielt darauf, das literarische wie intellektuelle Profil Richters in den Kontext der Entwicklungen in Ost und West zu stellen. Zudem geht es verstärkt darum, Hans Werner Richter in Bezug zu jenen Autoren-Generationen zu stellen, die in den letzten Jahren vor allem durch ihre literarische Erinnerungsarbeit eine öffentliche Debatte ausgelöst haben. Insofern wird der Komplex Erinnern und Erzählen erneut eine Rolle spielen. Hans Werner Richter hat in der deutschen Literatur in vielfältigen Rollen agiert. Er war auf der einen Seite „Ziehvater der Gruppe 47“ und auf der anderen Seite ein Autor, in dessen Werk das autobiographische Moment eine wichtige Rolle spielt. Vor diesem Hintergrund sollen Leben und Werk Hans Werner Richters unter folgenden Aspekten untersucht und diskutiert werden:

 Hans Werner Richter spielt als ‚Netzwerker’ im literarischen Feld der jungen Bundesrepublik mit der von ihm maßgeblich geprägten Gruppe 47 eine zentrale Rolle bei der Herausbildung der westdeutschen Nachkriegsliteratur und ihrer Kritik, aber auch des zu konsolidierenden Begriffs von Öffentlichkeit. Die literarische Gruppenbildung, die mit der Zeit immer stärker zu einer politischen geriet bzw. gemacht wurde, ist gewiss jenes Feld, das in der Forschung am umfassendsten untersucht wurde. Gleichwohl
bleibt die Aufgabe neuer Bewertungen von Richters Handeln vor dem Hintergrund seines inzwischen edierten Briefwechsels. Eine zusätzliche Komponente von Richters Netzwerkertätigkeit ergibt sich auf der deutschlandpolitischen Ebene; hier steht sein Verhältnis zur DDR und ihren Autoren zur Debatte. Und darüber hinaus geht es um Verbindungen von Hans Werner Richter in andere Länder des Real-Sozialismus, insbesondere nach Polen und die Sowjetunion. In diesem Rahmen wird auch danach zu fragen sein, welche Rolle Hans Werner Richter und die Gruppe 47 für Intellektuelle etwa in der DDR oder Polen spielte und wie sie von den Institutionen des Staates wahrgenommen wurden. Als Publizist und Herausgeber war Hans Werner Richter maßgeblich beteiligt an der Etablierung von Intellektuellendebatten und -diskursen in der Transformationszeit zur Bundesrepublik, etwa über die von ihm gegründete Zeitschrift „Der Ruf“. Von Interesse sind dabei unter anderem auch jene Impulse, die Richter in der Zeit seiner
amerikanischen Kriegsgefangenschaft erhalten und dann in seine publizistische Tätigkeit in der Bundesrepublik übertragen hat.
 Als Romancier, ‚Autobiograph’ und Hörspielautor hat Hans Werner Richter ein durchaus umfangreiches Werk hinterlassen, in dem er thematisch und stilistisch verschiedene Spielarten eines multiperspektivischen Realismus erprobt und zugleich einen gewichtigen Beitrag zur geschichtlichen Dimension von Literatur als Erinnerungsarbeit geleistet hat. Der literarische Aspekt von Richters Schaffen stand in der öff entlichen und literaturwissenschaftlichen Wahrnehmung immer hinter seinen literaturpolitischen Aktivitäten zurück. Damit ist bereits ein Anliegen des Kolloquiums benannt: Es geht weiter darum, Hans Werner Richter auch als Romanschriftsteller in der Breite seines Werks zu würdigen. Seine Erzähltexte sind in Beziehung zu setzen zu den zeitgenössischen politischen wie literarischen Diskursen ebenso wie zu seinen eigenen Erfahrungen. Daraus ergeben sich u.a. folgende Aspekte für eine Untersuchung von Richters Werk:
 Literatur und Gedächtnis: In Richters Texten spielt das ‚Prinzip Erinnerung’ eine gewichtige Rolle. Zu fragen ist, auf welche Weise Erinnerung etwa in den Kriegsromanen oder anderen autobiographisch geprägten Texten inszeniert wird. Es geht mithin um die ‚Rhetorik der Erinnerung‘ bei Hans Werner Richter.
 Regionalität und autobiographische Grundierung: Richters „Geschichten aus Bansin“; „Spuren im Sand“ oder „Die Stunde der falschen Triumphe“ machen deutlich, welche Relevanz er der regionalen wie autobiographischen Verankerung seiner Erzählungen
beimisst. Seine narrative Strategie ist dabei zu verorten zwischen der Beglaubigung der Phantasie durch die lokale und personale Konkretisierung einerseits und dem Versuch, die geschilderten individuellen Situationen ins Exemplarische, Bedeutsame und Lehrreiche zu transzendieren. Zudem steht die Rekonstruktion einer regionalen Topographie, des künstlerischen Raumes, seines Werks aus.
 Modernität und Traditionalität: Zu bestimmen ist der literaturgeschichtliche Ort von Richters Schreiben insbesondere im Kontext der nach 1945 allmählich wieder rezipierten internationalen Moderne. Richters Realismus verweigert sich formalen Experimenten und wirkt in seinen Dialog- und Erzähltechniken herkömmlich. Vor diesem Hintergrund steht die Bestimmung von Richters Literaturbegriff zwischen Kontinuität und Innovation im Spannungsfeld zwischen eigenem Schreiben und literaturpolitischer Programmatik aus.
 Schließlich geht es darum, das Werk Hans Werner Richters in Beziehung zu setzen zur jüngeren Autorengeneration. Auf diese Weise wird ein Bezug hergestellt zur aktuellen Gegenwartsliteratur.


PROGRAMM

Donnerstag, 12.11.09

15:00 – 15:15 Eröffnung
Karin Lehmann und Carsten Gansel

15:15 – 16:00 Prof. Dr. Jürgen Schutte (FU Berlin)
Hans Werner Richter und die Gruppe 47 – eine große Erzählung?

16.00 – 16:45 Prof. Dr. Wolfgang Gast
(Universität Gießen)
Audiovisuelle Erinnerung an 20 Jahre „Gruppe 47“ 40 Jahre nach deren Ende
(zu Andreas Ammers dokumentarischer TV-Bestandsaufnahme ARD 2007)

17:30 Abendessen

19.00 „Was bleibt von einem Menschen im Gedächtnis seiner Umgebung“: Hans Werner Richter in der Erinnerung –
Podiumsgespräch u.a. mit Martin Bartels, Manja Bahlsen, Egon Richter, Hermann Peter Piwitt (Hans Werner Richter-Haus)


Freitag, 13.11.09
9:00 – 9:45 Prof. Dr. Carsten Gansel
(Universität Gießen)
„Wir haben genug miteinander gesprochen, eigentlich nicht genug miteinander gesprochen“ oder Deutsche Dialoge – Hans Werner Richter, die Gruppe 47 und der Schriftstellerverband in der DDR

9:45 – 10:30 Wolfgang Brylla
(Universität Zielona Góra)
Hans Werner Richters Polenreise – Die Gruppe 47 im Visier der polnischen Staatssicherheit

10:30 – 10:45 Kaffeepause

10:45 – 11: 30 José Fernandez (Universität Santiago de Compostela/Gießen)
„Los vencidos“ – Zur Aufnahme von Hans Werner Richters „Die Geschlagenen“ im franquistischen Spanien

12:00 – 13:30 Mittagspause

13:30 – 14:15 Norman Ächtler (Universität Gießen)
Das Lager als Paradigma der Moderne bei Hans Werner Richter und Ernst von Salomon

14:15 – 15:00 Kai Agthe (Universität Halle/Posznan)
Eine eigene Art ,Befreundung‘ – Hans Werner Richter und Uwe Johnson

15:00 – 15:15 Kaffeepause

15:15 – 16:00 Prof. Dr. Pawel Zimniak (Universität Zielona Gora/Polen)
Heimatlosigkeit – Hans Werner Richters Erfahrungen mit einem deutschen Thema

16:00 – 16:45 Werner Liersch (Berlin)
Hans Werner Richters Usedom – das Bild der anderen: die Familie Mann, Victor Klemperer, Fallada, Carola Stern

18:00 Abendessen

19:30 öffentliche Lesung
Hermann Peter Piwitt


Sonnabend, 14.11.09
9:00 – 9:45 Norman Kasper
Konzepte des Erinnerns bei Hans Werner Richter und Wolfgang Hilbig

9:45 – 10:30 Julia von Dall’Armi (Universität Gießen)
Metaphern der (Ohn-)Macht? Strukturelle Ordnungsmuster und ihr gesellschaftskritisches Potential in Hans Werner Richters Satireband „Menschen in freundlicher Umgebung“

10:30 – 10:45 Kaffeepause

10:45 – 11:30 Dr. Arletta Szmorhun (Universität Zielona Gora/Polen)
Krieg und Eros – Zu textlichen Körperverhandlungen bei Hans Werner Richter

11:30 Abschlussdiskussion:
Hans Werner Richter und die deutsche Nachkriegsliteratur in Ost und West
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBansin/ Insel Usedom
Beginn12.11.2009
Ende14.11.2009
PersonName: Gansel, Carsten [Prof. Dr.] 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: Carsten.Gansel@germanistik.uni-giessen.de 
KontaktdatenName/Institution:  Institut für Germanistik, JLU Gießen 
Strasse/Postfach: Otto-Behaghel-Straße 10B 
Postleitzahl: 35394 
Stadt: Gießen 
Telefon: 0641/ 99-29121 
Internetadresse: http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb05/germanistik/abliteratur/glm 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeErzähltheorie; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.16.00 Literarisches Leben; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989); 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.06.00 Literarisches Leben; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.07.00 Literaturzeitschriften; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.08.00 Gattungen und Formen; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.10.00 Bundesrepublik Deutschland bis 1990; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.11.00 DDR
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