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GiNFix - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Wiederfindung der Sprache: das neue Verhältnis des Sprach-Ichs zur Welt bei Peter Handke seit dem Werk Der Chinese des Schmerzes"
TitelWiederfindung der Sprache: das neue Verhältnis des Sprach-Ichs zur Welt bei Peter Handke seit dem Werk Der Chinese des Schmerzes
BeschreibungDie Sprachproblematik des Sprach-Ichs und deren Überwindung durch die Suche nach Zusammenhang zwischen Welt und Ich bilden in Peter Handkes Erzählungen das Hauptthema, das sich als roter Faden durch sein Gesamtwerk hindurchzieht. Aber erst im Spätwerk seit seiner Tetralogie gelingt es dem Sprach-Ich Handkes, die einzelnen Momente in einen Zusammenhang zu stellen. Während das Sprach-Ich in Die Angst des Tormanns beim Elfmeter aus dem Zusammenhang gerissen worden ist und in Der kurze Brief zum langen Abschied eine traumhafte Verwandlung durch die Durchbrechung der Ich-Grenzen erlebt, sagt es in Die Lehre der Sainte-Victoire, der Zusammenhang sei möglich. In Hinblick auf das Verhältnis des Schreib-Ichs zur Welt sind in Handkes Werken vier Phasen zu erkennen. In der ersten und zweiten Phase gelingt es dem Sprach-Ich kaum, ein Verhältnis zur Welt herzustellen, da in dieser lauter Zusammenhangslosigkeit vorherrscht, die schließlich zur Sprachlosigkeit des Sprach-Ichs führt. Es zieht sich in eine innere Wunschwelt zurück, in der es einen kurzen Augenblick eine Verwandlung erfährt, welche es in einen Traumzustand oder in eine andere Zeit hineinversetzt. In der dritten ist das Sprach-Ich nicht mehr stumm. Endlich schaut es die Welt nicht mehr vom Standpunkt des Subjekt-Ichs aus an. Es lernt, sie von einem Standpunkt von „In-der-Welt-Sein“ aus zu schauen und einfach über die Welt zu sagen, wie sie ist. Auf diese Weise wird die Welt wieder erzählbar. In dieser Phase, in die vor allem Die Lehre der Sainte-Victoire gehört, verbindet Handke seine autobiographische Selbstreflexion mit philosophisch begründeter poetologischer Reflexion. Das Ich erzählt nicht nur über seine Existenz in der Welt, sondern auch über die Wahrheit der Welt, die schließlich in dem Wesen des Menschen, d. h. in dem Menschsein und seinem Bezug zu Ding und Welt, liegt. Diese neue Poetologie Handkes, die auf dem auf solche Weise hergestellten Verhältnis zur Welt basiert, steht mit Martin Heideggers ontologischer Deutung der Sprache ("das Sein ist das Sagen") im Zusammenhang. Das Erzählen über das Wesen der Menschen und über die Wahrheit des Seins in der Lehre der Sainte-Victoire ist "ein gerichtetes Erzählen" in dem heideggerschen Sinne. Neben seiner Lebensgeschichte, die die eines Künstler-Ichs ist, rückt auch das Leben als ein Mensch-Sein als das Thema seines Erzählens immer mehr in den Mittelpunkt. In der vierten Phase wird dann ein friedliches Geschehen im Leben zu einer Erzählung. Die weiteren Texte Handkes seit dem Chinesen des Schmerzes sind als der Versuch zu einem neuen Erzählen verstehen, in dem sich alles „friedliches“ Geschehen von selbst zum Epos gliedert. Im Chinesen des Schmerzes kommt keine Auseinandersetzung mit der bestehenden Welt zum Ausdruck. Um von der Sprachlosigkeit herauszukommen, versucht der Ich-Erzähler durch die „Phantasien der Wiederholung“ sein Verhältnis zur Welt zu rekonstruieren. Handke versucht in dieser Phase die Texte philosophisch zu überformen und erneut auf die ästhetische Evidenz des Erzählens zu setzen. Damit folgt seine Schreibweise einer Tendenz der „Remimetisierung“, die für die Richtung postmodernen Schreibens kennzeichnend ist. Und diese Rekonstruktion ist ohne die vorangehende Infragestellung des Modells sprachlicher Repräsentation, ohne die Subversion der Kategorien von Subjekt, Autor und Werk nicht denkbar. Diese Subversion kennzeichnet bei Handke eine Wende zum neuen Schreiben. Die Wende bei ihm ist als die „Kehre“ im Sinne Heideggers anzusehen. [Information des Anbieters] Zugleich: Freiburg i. Br., Univ., Diss., 2002 (PDF, 973 KB) [Redaktion ViFa Germanistik]
Internetadressehttps://www.freidok.uni-freiburg.de/data/1275
UrheberKim, Hyun-Jin
Veröffentlicht durchUniversitätsbibliothek <Freiburg, Breisgau>
BenutzerführungDeutsch
LandDeutschland
SchlagwortSprache <Motiv>; Handke, Peter
Teil vonFreiDok - Freiburger Dokumentenserver (http://www.freidok.uni-freiburg.de/)
RessourcentypHochschulschriften > Einzeltitel
BDSL18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.14.00 Zu einzelnen Autoren
Zugangfrei
Zuletzt geprüft am29.05.2016
Ediert von  UB-Freiburg
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